| 19. November 2000: Tibet |
nach unserem 1 monatigem "trainingslager" machten wir uns auf den weg
ins winterliche tibet. lijiang war unser 1. stop. es regnete und war das
1. mal so richtig kalt. lijiang liegt noch nicht in tibet und hat eine
der schoensten altstaedte chinas und dementsprechend viele turisten.
eigentlich wollten wir in lijiang ausfindig machen ob es moeglich ist zu
dieser jahreszeit overland nach lhasa zu kommen. die einen sagten ja,
die einen nein, die anderen vielleicht. offiziell gab es nur eine
moeglichkeit und zwar ein jeep fuer ca. 8 tage zu mieten (fuer den
horrenden preis von etwa sfr. 2000.- p.P.) diese moeglichkeit lag weit
ueber unserem budget. ein ami (zeichner einer tibetkarte in unserem
reisefuehrer) machte uns mut und so entschlossen wir uns den illegalen
weg mittels autostop (truckstop) zu riskieren. (im lonely planet ueber
diese route: eine der hoechsten und gefaehrlichsten routen der welt!)
mit dem bus fuhren wir weiter nach zhongdian, wo der erste eindruck von
tibet spuehrbar war. das heisst die stadt war in eine haessliche
han-chinesen neustadt und eine tibetische altstadt geteilt. immer waren
wir noch nicht sicher ob wir es weiter wagen sollten und zudem war es
nun auch so richtig kalt (3200 m ue. M). unsere forschungen ueber die
route ergaben nichts neues. also war die einzige moeglichkeit es
herauszufinden es selber zu probieren (probieren geht ueber studieren).
das schlimmste was uns passieren kann war, dass wir von der chin.
polizei eine saftige busse erhielten und zueruckgeschickt werden oder
untergegs zu erfrieren und zu verhungern. um das letztere zu verhindern,
kauften wir uns dicke, warme militaermaentel, sonstige warme sachen und
etwas notproviant (u.a. instant nudelsuppe). das letzte mal genossen wir
die nacht im heizbaren bett, bevor wir uns am fruehen morgen richtung
degen aufbrachen, der letzten stadt vor tibet. tiefe herbstfarbene
taeler, der erste 4300m pass und eine schotterstrasse machten die ca 140 km
lange strecke zu einer 8 stuendigen busfahrt. sowieso war es jetzt
vorbei mit geteerten strasssen. ausser von tibetern war in degen nicht
viel von tibet zu spuehren, denn auch hier haben die han-chinesen
"kulturrevolution" betrieben und ihre weissen plattengebaeude
hingestellt. (degen gehoert geografisch zu tibet, jedoch nicht politsch)
wir erfuhren, dass ein bus nach yanjing faehrt, welches die grenzstadt
zu tibet ist. so fuhren wir am naechsten tag los, der bus war
vollgepackt mit tibetern und gepaeckstuecken (es ist unglaublich wieviel
platz in einem bus ist!) als wir yanjing nach einer landschaftlichen
wunderschoenen busfahrt erreichten, kamen wir fast nicht mehr aus dem
stauen raus. eine richtige tibetische stadt, keine geteerten strassen,
ueberall kuehe, huehner und esel die herum liefen. wir uebernachteten in
einer lastwagenfahrer-unterkunft, von wo wir erfuhren, dass am nachsten
morgen ein lastwagen nach markham faehrt. (von nun an gab es keine busse
mehr, oeffentliche verkehrsmittel fuer einheimische, sind lastwagen). so
sassen wir am naechsten morgen, dick in unsere militaermaentel
eingehuellt und auf den getreidesaecken auf der ladeflache eines
lastwagen mit einigen tibetern, welche uns rechtzeitig vor dem
checkpoint warnten. wir zogen die kraegen unserer maentel etwas hoeher
und die kappe etwas tiefer. mit der barriere hinter uns haben wir's
geschafft. wir sind in tibet!
da wir wussten, dass die polizei-checkpoints nur bei den staedten sind,
konnten wir diesen tag voll geniessen. bald kam die sonne und es wurde
"angenehm" warm. der lkw hotterte etwa mit 10 km/h die paesse hinauf.
die strasse war z.t. extrem schlecht und an einer stelle wo wir die
strasse neben unserem lastwagen nicht mehr sahen, sondern direkt den
fluss 200 m tiefer, standen sogar die tibeter auf die bergseite
absprungbereit! in einem fruchtbaren tal hielten wir bei allen
doerfern (3-5 haeuser) an, um kornsaecke zu verkaufen. waehrend die bauern
das getreide prueften, versammelten sich alle kinder, welche mit
grossen augen uns inspizierten. kein "hello-money", dieses gebiet ist
noch nicht von vielen turisen besucht worden! es war wohl die
eindruecklichste fahrt seit wir losgezogen sind, landschaftlich und
menschlich (die tibeter fanden danis arm-haare unheimlich
faszinierend).
alle maenner hatten lange schwarze haare zu einem zopf gebunden an
welchem ein roter garnstrang befestigt war, welchen sie um den kopf
wickelten. doch das wichtigste war das grosse messer, dass alle trugen.
als dani stolz sein schweizersackmesser(li) auspackte, brach auf der
ladeflaeche gelaechter aus!
wir wussten, dass ein dalai lama-bild viel freude bereiten kann (die
chin. regierung hat offiziell alles bildmaterial vom dalai lama verboten
und der besitz ist sogar strafbar) trotzdem schenkten wir ihnen eine s/w
kopie. das bild machte auf der ladeflaeche die runde und alle ca. 15
tibeter/-innen nahmen es ehrfuerchtig an die stirn. wir waren absolut
verdutzt, von dieser enormen reaktion. so auch als wir nach etwa 10
stunden fahrt kurz vor markham vom laster geschmissen wurden. der fahrer
wollte nicht riskieren, dass er am polizei-checkpoint wegen uns die
lizenz verlor. nun standen wir da, mit leeren baeuchen und nichts zu
trinken. wir wussten, dass wir eigentlich markham umgehen sollten, um
nicht von der polizei erwischt zu werden und als es eindunkelte
marschierten wir los. wir gingen den hang entlang, durch felder und
geschuetzt von einer mauer, welche aber ploetzlich im hang endete. also
ueberkletterten wir die mauer um weiter zu gehen. es sah aus wie in
einer wohnsiedlung. doch als wir die vielen armeeuniformen an der
waescheleine entdeckten, wussten wir, dass wir diesen ort so schnell wie
moeglich wieder verlassen sollten! mit erhoehtem puls rannten wir
zurueck, an den baracken vorbei und kletterten so rasch als moegllich
wieder ueber die schuetzende mauer.
es war dunkel, es war kalt und wir fragten uns was wir hier eigentlich
machen. mussten wir jetzt tatsaechlich (ohne zelt) draussen
uebernachten? wir entschlossen uns, erstmal zu warten, bis es 21:00 war,
um dann einfach mitten durch die stadt zu laufen, denn wir mussten auch
noch etwas fluessiges kaufen (dieses risiko mussten wir eingehen). wir
schlichen los, doch die vielen klaeffenden hunde in den hoefen schienen
jeden tritt von uns zu verraten. wir mussten auch ein paarmal umkehren
da direkt vor uns so ein koeter stand. auf der strasse angekommen
marschierten wir im dunkeln nervoes an vielen tibetern vorbei, die uns
aber ueberhaupt nicht beachteten. an einem shop mitten in der stadt
kauften wir getraenke und konnten nicht widerstehen zu fragen ob sie
wissen wo wir schlafen koennten. zwei tibeter begleiteten uns dann in
einen dunkeln hinterhof eines hotels, wo uns zwei frauen zu verstehen
gaben, dass sie unsere paesse sehen wollten. da wir uns illegal
aufhielten und uns geraten wurde moeglichst rasch zu verschwinden wenn
nach paessen gefragt wird, beschlossen wir dies auch zu tun. doch es war
bereits zu spaet! aus dem dunkel kam uns eine uniformierte gestalt
entgegen - ein polizist stand vor uns. er nahm dani mit auf den
polizeiposten, wo fuenf weitere polizisten voellig uninterresiert um
einem ofen sassen. dani versicherte ihnen, dass wir im morgengrauen aus
der stadt verschwunden sind und natuerlich zueruck in die provinz gehen
aus der wir gekommen sind. dies war die richtige antwort. (zum glueck
waren die polizisten alles tibeter) wir verliessen das hotel bis am
morgen nicht mehr.
es war noch stockdunkel, kalt und die stadt schlief noch, als wir uns um
5:00 morgens aus der stadt schlichen. doch am stadtrand sahen wir von
weitem die hellen scheinwerfer des check-points auf die strasse
scheinen. "einfach nicht links und rechts schauen und weitergehen".
wir kamen durch und verschwanden wieder in der dunkelheit und als wir
auch die klaeffenden hunde ueberlebten konnten wir aufatmen. wir waren
draussen.
noch bevor es hell wurde, kam ein lastwagen-konvoi, welcher uns auf der
ladeflaeche mitnahm. stunden spaeter konnten wir den schoenen
sonnenaufgang geniessen, denn wir waren schon weit weg von der stadt.
nun ging alles wie am schnuerchen. als wir nach 17 stunden fahrt in
bangda einen truck-stop ankamen und nachdem wir zu essen und schnaps
eingeladen wurden und sogar noch im selben zimmer wie alle fahrer
schliefen, konnten wir am naechsten morgen mit ihnen weiter richtung
lhasa bis nach pome mitfahren. wir sind sogar in die warme fuererkabine
aufgestiegen und bei jedem polizei-check versteckten sie uns (jeannette
hat die kappe vorsichtshalber die ganze zeit nie abgezogen)
die "strassen" waren z.t. sehr schlecht und wir hotterten ueber die
vielen loecher, doch die landschafdt war einmalig schoen. morgens um
1:00 uhr, nach 18 stunden fahrt, waren wir in pome. nachdem die etwa 20
tiberter vom lastwagen steigen, lud der fahrer uns zum uebernachten zu
sich nach hause ein. dankend nahmen wir an und nachdem seine frau noch
brot backte und buttertee zubereitete, gingen wir mit vollen baeuchen
schlafen. wiederum mit vollen bauechen und viel proviant verliessen wir
pome und fuhren mit einem art jeep-taxi-bus (die einzige
reisemoeglichkeit richtung bayi.) als wir 20 cm vor dem 100 meter tiefem
abgrund im schlamm steckten und die tuer absprungbereit bereits
geoeffnet hatten, wussten wir auch warum.
auf jedem fall kamen wir in bayi an, wo wir zu unserem uebel genau vor
einem noblen hotel ausgeladen wurden. es standen mindestens 5
polizeijeeps und 10 polizisten herum. thja!
auf dem polizeiposten wurden wir "aufgeklaert", dass wir zwei
gesetzesartikel gebrochen haetten 1. illegales reisen auf mehr als 1000
km und 2. illegaler aufenthalt. nach einem stuendigen verhoer und
verhandlungen hatten wir unsere buss von sfr 400.- auf 200.-
runtergehandelt. da wir bereits kurz vor lhasa waren, gaben sie uns auch
noch die bewilliung, die reise dorthin fortzusetzen (in der regel werden
"gebuesste" wieder zurueckgeschickt!)
nach unserer "luxus" nacht mit warmer dusche (war sehr noetig) nahmen
wir morgens um 6:00 den oeffentlichen bus, den es ab hier wieder gab
nach lhasa. nach 12 stunden fahrt sahen wir von weitem in
sonnenuntergangstimmung den potala-palast und erreichten kurz drauf
uebergluecklich, lhasa. wir hatten es geschafft und konnten allen
polizisten wieder boese in die augen schauen.
november, dezember ist wohl die beste zeit um in lhasa zu sein. aus ganz
tibet stroemen pilgerer in die sonnenstadt. es ist ein einmaliges
schauspiel, die vielen pilgerer zu beobachten, welche den jokhang-tempel
im uhrzeigersinn umrunden. gebetsmuehlen surren, moenche murmeln
mantras, der geruch von butterlaempchen liegt in der luft, von
wind+wetter gefurchte gesichter von buckligen alten tibeter/-innen. wir
sind absolut fasziniert von dieser "heiligen" athmosphaere. doch das
ganze geschehen wird rundherum von han-chinesen polizisten kontrolliert
und jegliche menschenansammlung auseinandergetrieben. die praesenz der
hanchinesen in lhasa ist nicht zu uebersehen, grosse leere plaetze, die
typisch weissen plattengebaeude. ein wenig wut steigt im bauch auf, wenn
man sieht wieviel die chinesen an tradition zerstoert und unterdrueckt
haben (1950 gab es in tibet 1600 kloester, 1970 noch 10, einige davon
wurden wieder aufgebaut)
nach knapp einer woche fuhren wir weiter nach nepal. diesmal mit einem
landcruiser, 2 englaendern und einer permit (bewilligung). da wir die
meiste zeit mit fahren verbrachten war die 6-taegige reise doch ziemlich
anstrengend und komplett anders als vor lhasa. am "hello money", am
betteln und den englischen menuekarten merkte man, dass wir nicht die
ersten turisten waren. unser abstecher zum mt. everest base camp (5400
meter ueber meer) hatte sich gelohnt. in voller groesse sahen wir den
hoechsten berg der welt und dies sogar von unserem zimmer aus. wir
uebernachteten bei einem kloster auf 5200! es war ganz schoen kalt und
am morgen als wir aus den schlafsaecken krochen war es gerade 1 grad!
kurz vor der grenze zu nepal gings nur noch abwaerts, so auch nach der
grenze bis nach kathmandu (von 4900 auf 1400 meter ueber meer) und es
wurde immer waermer und gruener. ah, das war schoen.
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Der Potala Palast in Lhasa (ehem. Sitz des Dalai Lama)

Gebetsfahnen in Tibet

Stupas auf dem Weg nach Lhasa

Unterwegs auf Tibets Highways...

Mount Everest: Der höchste Berg der Welt


Süsse Kinder von Tibet
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