| 22. Februar 2001: Nord-Indien |
Indien - wo anfangen - wo aufhoeren ....
OK. fangen wir an mit einem beinbruch. im bus von nepal nach varanasi,
lernten wir eine junge kanadierin kennen. in varanasi angekommen, auf
der suche nach einem hotel rutschte sie aus, fiel hin und brach sich das
bein...nun wuerde eine langere geschichte folgen, kurz gefasst
kuemmerten wir uns rund um die uhr um sie, fuhren mit einem rikscha in
den spital, verbrachten die naechsten 3 tage mehrheitlich dort und
begleiteten sie bis zum flughafen, nachdem ihr flug zurueck nach kanada
organisiert war. sie entschied sich die operation lieber zu hause zu
machen, obwohl der arzt sehr kompenten war. nur die hygienischen
verhaelltnisse fuer ein privat-spitalzimmer konnte man nicht so ganz mit
unseren vergleichen! die schwester musste erst die eine getrocknete
kakerlake von der wand abkratzen, die zweite erwischte ich mit dem
schuh, doch die maus war zu schnell...inzwischen ist rabia wieder zu
hause und wohl auf.
man sagt varansai ist das herz indiens und tatsaechlich war es enorm was
man alles zu sehen bekommt! wir wurden mit hunderten von neuen
eindruecken ueberschwemmt, obwohl der "indien-schock" ausblieb. es hatte
zwar viel mehr leute, mehr verkehr und noch viel mehr kuehe als in
nepal, sonst aber sehr aehnlich.
anders waren aber vorallem die turisten. keine trecker mehr, sondern
viele "haengengebliebende" langhaarige (rastas natuerlich) traveller,
welche hier ihre zweite heimat fanden. doch auch wir "kuzhaarigen" waren
fasziniert von dieser heiligen stadt am ganges. wir verbrachten viele
stunden an den ghat's (stufen welche zum flussufer fuehren) und
beobachteten die vielen hindus die ihr heiliges bad nahmen, welches
angeblich die suenden wegwaescht. von etlichen "waeschereien" wurde
gleich daneben im fluss auch der dreck der hemden und saris (6m lange
stoffbahnen in welche sich die inderinnen einwickeln) weggewaschen! an
zwei speziellen ghat's wurden die toten auf scheiterhaufen verbrannt.
rund um die uhr kamen maennergruppen (keine frauen) und trugen die
leiche, welche in goldene tuecher eingewickelt ist ans flussufer. fuer
den glaeubigen hindu bedeutet es die erloesung aus dem zyklus der
wiedergeburt, wenn er am ganges stirbt, verbrannt und die asche dem
heiligen fluss uebergeben wird. aber nicht alle toten werden verbrannt
es gibt da ein paar aussnahmen! Leprakranke, kinder, schwangere frauen,
tote durch schlangebiss und sadhus (heilige maenner) werden an einen
stein gebunden und versenkt. ihr koennt euch vermutlich vorstellen wie
schlecht die wasserqualitaet des ganges ist...und trotzdem sahen wir bei
einer abentlichen bootsfahrt flussdelfine!
faszinierend waren auch die spaziergaenge duch die engen alstadtgassen,
wobei man immer wieder in eine ecke gedrueckt den kuehen mit ihren
riesigen hoernern ausweichen musste welche herumzogen!
vielleicht habt ihr vom kumbh mela in allahabat gehoert, das vermutlich
groesste religioese festival der welt, welches alle 12 jahre
stattfindet. das mela dauerte fast 2 monate und an einem der grossen
heiligen badetage benutzten wir die chance und fuhren hin (wie auch ein
paar millionen inder) doch das ganze spektakel war erstaunlicherweise
gut organisert und sah so aus wie etwa hundert st.gallen openair
zusammen! riesige zeltstadt, nur hoert man anstatt lenny kravitz oder
tote hosen, hare krischna und andere hindisongs aus den lautsprechern.
ein eindrueckliches erlebnis: die badeneden inder, welche das heilige
wasser in petflaschen abfuellten - der unmzug der fetten sadhus auf dem
dach ihrer jeep's thronend - der geruch der zwei gestrandeten
wasserleichen, welche ausser uns westerner niemand beachtete - die
unmengen von bettlern, welche alle religoese festivals anziehen, (einem
bettler nahrung oder rupies zu geben verbessert das karma im naechsten
leben) extrem aber waren vorallem die reihe mit leprakranken mit ihren
eitrigen verstuemmelten gliedern und die "missgeburten"....wie all das
schoene gehoert hald auch dies zu indien.
die 11 tage in varansai flossen einfach so dahin und wir mussten uns
fast zwingen die stadt zu verlassen. obwohl es noch viele kleine
erlebnisse zu erzaehlen gaebe... fahren wir mit dem nacht-zug nach agra
weiter...
natuerlich waren schon alle liegewageplaetze ausverkauft, doch 3. klasse
holzbank wird in indien wohl ohne einschraenkung verkauft! somit gingen
daniel und jeannette superschlau, mit einem 3. klasse ticket in den zug
und waren ueberzeugt direkt im zug in einen 2. klasse schlafwagen zu
wechseln (was meistens auch moeglich ist...!) Jeannette verbrachte die
nacht auf der gepaeckablage, die sie mit einem inder teilte und dani
gequetscht zwischen anderen auf der holzbank darunter, im uebervollen
3. klasseholzbankwagen! die ca. 10 stunden vergingen jedoch wie immer
relativ schnell, trotzdem waren wir fuer dieses mal froh als wir
ankamen!
agra kennen wohl die wenigsten von euch, doch was wir von der
dachterasse unseres hotel sahen, jeder: der taj mahal. nach langem hin
und her leisteten wir uns schlussendlich den neuen und absolut
ueberissen preis von 20.-- usd per eintrittsticket! (40 usd heisst fuer
uns zusammen mind. 4 tage indien mit uebernachtung, essen, transport
usw) doch als wir vor dem taj standen vergassen wir alles war vorher
war. wir waren wie verzaubert. (klingt richtig unglaublich gaell?)
der naechste stopp war dehli. nicht so schlimm wie die meisten
vorhersagten, aber auch nichts sehr spezielles. extrem sind die
unterschiede zwischen der ueberbevoellkerten altstadt mit tausenden von
schmalen gassen und dem neuen teil mit all den regierungsgebaueden und
riesigen breiten strassen. da wir jeannetts neuen "peking" pass bereits
verlaengern mussten, kamen wir in den genuss von ein wenig schweiz in
dehli! das schweizer konsulat war ja der hammer: sah aus wie das
stadthaus von uster, die leute waren sehr nett aber wirklich beamte und
von der bueroklammen ueber das archivgestell bis zum papiertuechli im
wc, war alles aus der schweiz...! - wir genossen es...! leider ging
natuerlich alles wie am schnuerchen und wir hatten den pass nach kurzem
wieder in den haenden und waren draussen auf der strasse wieder zurueck
in indien mit dem rikschafahrer um den preis am verhandeln!
wir hatten das glueck, dass der dalai lama gerade zu dieser zeit in
dehli einen vortag hielt und wir dabeisein konnten. es war wirklich sehr
eindruecklich diesem schon 75 jaehrige aber voller energie strahlendem
menschen zuzuhoeren.
"obwohl es schwierig ist die gesellschaft im positiven zu veraendern,
ist es zweifellos lohnend es zu versuchen. es ist moeglich. das ist mein
fester glaube. ob wir erfolg haben oder nicht ist eine andere sache, das
wichtigste ist, dass wir unser bestes versuchen."
Dalai Lama
eines morgens ruettele es ploetzlich so seltsam im bett und sogar der
deckenventilator fing an zu schauckeln...war sehr komisch und
unheimlich. wie sich am abend herausstellte waren dies die auslauefer
des schrecklichen erdbebens in der provinz gujarat. aber in dehli blieb
gluecklicherweise alles stehen. nach ein paar tagen dehli fuhren wir
weiter nach rajasthan, ein gebiet wo man die schoensten palaeste findet,
wo die reichen maharajas lebten, wo heute noch kamelkarren ein
alltaegliches transportmittel sind, wo elefanten durch die strassen
spazieren, wo die rajasthanis stolz ihren schmuck tragen und wo
jaehrlich unzaehlige turisten hinfahren. wir folgen der klassischen
lonely planet und turistentour nach jaipur (pink city), puschkar
(banglassi und pilgerer am see), jaisalmer (wunderschoene stadt inmitten
der wueste - 3 tage kamelsafari!), jodhpur (blaue stadt), ranakpur
(wunderschoener jaintempel), und schliesslich udaipur (wo man fuer
2000 usd in einem obernoblem palast uebernachten kann). rajasthan hat
wirlich etwas bezauberndes und hat uns sehr gut gefallen, so gut, dass
viel laenger blieben als "gedacht".
ueberall trifft man andere traveller und tauscht so seine reisetips aus.
so ein tip fuehrte uns an einem pilgerort suedlich von indore. dies war
wirllich ein "geheimtip". nichts war auf englisch angeschrieben,
uebernachten konnten wir fuer 2 fr. in einem zimmer (ohne bett) und
essen konnte man fuer 70 rappen! am naechsten tag feierten die hindus
shiva's geburtstag (shiva ist einer der vielen goetter) und der kleine
ort wurde ueberschwemmt von pilgerern. es ging zu und her wie in einem
ameisenhaufen: heiliges bad im fluss nehmen - in den tempel gehen und
opfergabe uebbereichen - chillum rauchen (religioese art von kiffen) -
und bang lassi trinken... so waren alle gluecklich und am naechsten tag
zogen sie wieder ab. uebrig blieben die kiffenden sadhu's, die paar
haengengebliebenden westener, die new age yogis und die karma-junkies!
der ort ist noch absolut unveraendert vom western turismus (hoffentlich
bleibt das auch so) und man wird von sadhus und pilgernden
familienvaeter staendig zu einem "chillum" eingeladen ohne dass jemand
an geld denkt. (sie existieren noch, die hippie orte in indien).
morgens
um 6:00 uhr verliessen wir den kleinen ort, konnten uns zwischen all den
pilgerern einen platz im bus ergattern und fuhren 3 stunden zum
naechsten zugbahnhof. die strasse war so schlecht wie schon lange nicht
mehr und wir sassen auf den hintersten plaetze...es war wie im
schuettelbecher am uster-maert! spaet am abend nach 11 stunden
gemuetlichem zugfahren waren wir dann in mumbai (bombay).
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Wunderschöne Morgenstimmung in Varanasi am Ganges

Ganges Leben

Sadus...Holy Smoke
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