13. Oktober 2001: Ost-Timor
Nachdem wir die ausgangsstempel von indonesien im pass hatten, gingen wir weiter entlang der staubigen, verlassenen kuestenstrasse. Rechts stacheldraht und links am strand die kinder, welche im meer spielten. An der grenze durchsuchten zwei brasilianische UN soldaten (in voller montur, bei 35 grad) wiederum unsere rucksaecke und ein australier stellte uns fragen ueber kontakte zu indonesischen milizen. Indonesier? Ja, viele! Milizen??? Die grenzsituation scheint immer noch ziemlich gespannt zu sein, obwohl die ganze szene, abgesehen von stacheldraht und ein paar weiteren militaerfiguren, einen lockeren eindruck machte. Mit einem EAST TIMOR stempel gingen wir weiter entlang der menschenleeren strasse zur angeblichen busstation. Tatsaechlich stand da ein bus, und was fuer einer! Modern mit VCD, bequemen sitzen und ziemlich sauber. Wir bezahlten 5 US dollar (die neulich eingefuehrte offizielle landeswaehrung! ...es lebe Am....) und los gings.

Wir waren unheimlich gespannt auf diese fahrt, durch ein gebiet, dass seit jahrzehnten von kolonialmaechten besetzt war und die letzten paar jahre, in ihrem kampf zur unabhaengigkeit, unter dem indonesischen militaer gelitten hat. Mit unterstuetzung der UN und fremder entwicklungshilfe, sind die ost timoresen dabei ihr eigenes land aufzubauen. Wir staunten nicht schlecht als wir an den vielen protzigen UN jeeps und den mehreren checkpoints vorbeikamen. Doch als der eine jeep am strand hielt und 4 aussi’s mit dem surfbord in der einen und dem gewehr in der anderen hand ausstiegen, trauten wir fast unseren augen nicht. Die strasse fuehrte alles entlang der kueste, vereinzelt ein paar aermliche huetten, menschen und ein dorf, dessen haeuser ziemlich verbombt, abgebrannt und verlassen aussahen. Ein trauriger anblick. Nach 5 stunden erreichten wir dili, die hauptstadt osttimors, wo uns der busfahrer gleich vor dem guesthaus absetzte. Der inhaber, nick ein australier war grad nicht hier, doch eine symphatische frau mit "little english" gab uns das letzte zimmer fuer 10 US! (es soll angeblich die billigste unterkunft in dili sein, denn die hotelpreise varieren so um die 60 bis 200 US pro nacht...)

Auf der suche nach etwas essbarem stellten wir bald fest,dass alles ein "bisschen" teurer ist, als wir im resti, voller "weisser menschen" die US preise auf der menukarte sahen. Wir fanden doch noch ein lokales "rumah makan" (mit lokalen menschen), wo wir zu fast ind. Preis ein nasi goreng bekamen.

Es war ein seltsames gefuehl in einem eigentlich armen land zu sein und all die weissen gesichter mit handy und fetten aircon autos zu sehen. In den staubigen strassen haben sich modernste xerox kopiergeschaefte, stylische restaurants und der "hello mister supermarket" mit allem was das kulinarische herz begehrt, eingenistet. Zu all dem war da eine "anti indonesien" haltung spuehrbar, was uns anfaenglich etwas muehe machte, da wir eine so tolle zeit mit indonesiern hatten. Doch wir gewoehnten uns langsam ein und auch daran,dass wir vermutlich die einzigen turisten waren. Unser guesthaus war zwar voll, doch waehrend wir nach dem fruehstueck gemuetlich sitzen blieben, gingen alle anderen zur arbeit. Die australischen sozialhelferinnen, der phillippinische sanitaer und der indische polizeiinspektor. Es war immer spannend, wenn sie von der Arbeit "nachhause" kamen und aus ihrem alltag, welcher oft nerven kostete, erzaehlten. Oder die gespraeche ueber die probleme, die der aufbau dieses landes mit sich bringt und die vielen millionen dollar, welche in teure autos, "produktive" sitzungen und erforderlichen infrastrukturen (wie z.b. klimaanlagen, obwohl wir am abend regelmaessig fuer stunden stromausfall hatten) verfliessen. Ja, osttimot hat noch eine menge arbeit vor sich, doch die menschen scheinen zuversichtlich zu sein.
BR> Natuerlich war auch unser alltag ausgefuellt und zwar mit schiffsuche. Wir fanden raus, dass da einmal pro woche ein frachtschiff zwischen dili und darwin verkehrt. Doch alles "bitti baetti" beim chef der firma und beim frachtschiff vor ort nuetzte nichts. Keine passagiere erlaubt, basta. Da wussten wir, westliche firma, westliche regeln, keine extrawuerste mehr...

Aber da war da noch der australische "Pirat" (er sah zumindest so aus) mit seiner selbstgebauten segelloft. Ja, er wuerde nach darwin segeln! Soo cool, das waer ja super! Am naechsten morgen lud er uns zu sich aufs boot ein und wir verbrachten zwei lustige stunden mit gitarre spielen und mit dem fingern auf der weltkarte umherfahrend. Russel, lebt seit 7 jahren auf seinem boot und verdient sein geld mit segel naehen (sein boot ist eigentlich eine schwimmende werkstatt). Er meinte wir koennten in drei tagen lossegeln!

Die verbleibende zeit wollte ich noch sinnvoll nuetzen (was eigentlich alle hier machen) und aus gespraechen mit der australischen sozialarbeiterin ging hervor, dass sie unbedingt eine aktivierungstherapeutin brauchen koennten. Sie arbeitete vor allem mit tuberkolosepatienten, welche oft wochenlang zu einen spitalaufenthalt gezwungen sind, bis ihr befund besser wird. Die spitaeler sind nicht mehr als zimmer mit vielen betten, moskitonetz und einer deckenlampe und nicht ein ort, wo man unbedingt laenger sein will. Um mir ein bild von der situation zu machen, besuchte ich ein spital, redete mit dem arzt (welcher sinnlos ueberlastet ist) und begann ein kleines konzept mit vorschlaegen zu aktivitaeten zu erarbeiten. Es war eine tolle herausforderung nach so langer zeit mein "gelerntes" wieder hervorzukramen und es machte mir richtig spass.

Dani war inzwischen fleissig damit beschaeftigt auf unserer neu gekauften gitarre zu ueben und so verstrichen die drei tage wie im flug. Einen tag vor abreise trafen wir uns nochmals mit russel. Mit seinem dinghi fuhr er uns ans ufer entgegen, sah uns mitleidig an und meinte: "sorry guys, I can’t go to darwin!" .... es stellte sich heraus, dass er die naechsten paar jahre nicht nach australien zurueck kann, da sonst sein boot, wegen einer langen geschichte mit seiner exfrau konfisziert werden wuerde. Wir wissen nur einen kleinen teil der geschichte und es tat uns einerseits leid fuer ihn und natuerlich auch fuer uns. das war’s, kein schiff...

Vielleicht in zwei wochen... vielleicht nicht... Widerwillig gingen wir ins naechste reisebuero und kauften zwei flugtickets mit air north fuer den naechsten morgen um 8:00 nach darwin.

Ja, liebe reiseberichtleser, wir habens nicht ganz ueberland geschafft, 500 km fehlten. Anstatt nach 3 bis 4 tagen segelboot, landeten wir nach einer stunde und vierzig minuten auf australischem boden in darwin. Unser gepaeck wurde minuzioes nach organischen stoffen durchsucht. Zuerst von einem abgerichteten "schnueffelhund" und anschliessen von einem zoellner, welcher sogar die letzten dreckreste aus dem profil unserer wanderschuhe kratzte. Als sich nach einer stunde zollprozedur die schiebetueren zur empfangshalle oeffneten, fuehlten wir uns, als ob wir aus einer zeitmaschine gestiegen waeren.

"back to the future"... ja, die westliche welt hatte uns zurueck.........


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Grenze zu Ost-Timor



Regierungsgebäude in Dili mit UNO "Parkplatz"