7. Mai 2002: Russland
Nachdem wir uns von Burtee und Yanga, unseren (Party-)Kollegen von Mongolien verabschiedet hatten, gingen wir am abend zum Bahnhof. 2 nächte im zug lagen auf der fahrt nach irkutsk vor uns. Das zugabteil war nicht ganz so schön wie im chinesischen zug bis nach ulan bator,.dafür wurden wir ganz früh an der grenze zu russland, von zwei um so schöneren mongolischen zollbeamtinnen geweckt, welche uns den ausgangsstempel verpassten. Nach etwa 20 minuten hielt der zug bereits wieder an und eine stattliche, russische zöllnerin (mit kurzem rock und hohen lederstiefeln) nahm unsere pässe mit. Hinter ihr schraubte ein mann vereinzelt die deckenplatten hinunter und durchsuchte die vielen nischen nach schmuggelware. Nachdem alles o.k. war gings ein paar kilometer weiter zur russischen grenzstadt, wo es genau nichts hatte und nichts los war und wir 6 stunden aufenthalt hatten. Unsere suche nach einem restaurant oder einem supermarkt in diesem menschenleeren ort blieb erfolglos, bis wir beobachteten wie einige leute in einer baracke (wie ein schiffscontainer) ein und aus gingen und siehe da, ein kleiner laden mit brot, ein paar konserven und natürlich wodka (welche etwa gleich viel kostete, wie eine 2 liter colaflasche). So kam ich auf einer parkbank beim peron mit einem russen und den 2 weiteren südafrikanischen travellern welche im zug waren in den "genuss" des ersten kleinen wodkas saufgelage. Am späten nachmittag gings dann weiter durch hügelige landschaften mit vereinzelten nadel- und birkenwälder und dörfer aus lauter farbigen holzhäusern, bis wir am nächsten morgen irkutsk, eine der ältesten städte ostsibiriens, erreichten. Irkutsk ist eine herzige stadt mit vielen schönen alten, schiefen holzhäusern, an welchen die farbe abblättert und der stadt einen ländlichen charakter geben. Wir waren die ersten paar stunden, nachdem wir endlich ein einigermassen günstiges hotel fanden, damit beschäftigt, unser visum zu registrieren, welches man innert 3 tagen nach der einreise in russland tun muss. Wir wissen zwar nicht genau was der sinn darin ist... ausser dass der stempel ein paar weitere rubel kostete... tags drauf nachdem wir nochmals etwas durch die stadt schlenderten, im superschnellen internetcafe waren und den jugendlichen, sehr amateurhaften "breakdancer" in der Fussgängerzone zugeschaut hatten, gingen wir mit unseren schweren rucksäcken zum busbahnhof. Ganz knapp ergatterten wir uns noch ein ticket für die 1 stündige busfahrt zum baikalsee.

Wow...der bus fuhr um eine weitere kurve und der baikalsee lag plötzlich vor uns. Immer noch zum grossen teil mit einer von der sonne glänzenden eisschicht bedeckt, schneeberge im hintergrund und tief blauer himmel, so präsentierte sich uns der see in einer wunderschönen abendstimmung. Listwjanka das kleine verschlafene holzdoerfchen am ende der strasse war unser ziel, und wir erkannten auch gleich die häuserreihe wieder, von welcher uns ein traveller noch in mongolien ein bild gezeigt hatten und sprangen gleich aus dem bus. Wir fanden dann auch bald "olga" die im museum arbeitet. Sie führte uns mit freude in ihre wohnung, wo sie uns für 3 nächte ihr gästezimmer vermietete. täglich geräucherten fisch essen, dazu ein bier, spaziergänge entlang dem see, die wunderschöne ruhige stimmung geniessen, mit olga plaudern, so verbrachten wir die nächsten drei tage. Der baikalsee ist übrigens vom volumen her der grösste süsswassersee der welt und hält 20 % aller trinkwasserreserven weltweit, an der tiefsten stelle ist der see 1,6 km tief! Olga gab uns zum abschied noch den restlichen selbstgebackenden apfelkuchen mit und morgens um 07.30 nahmen wir wieder den bus richtung irkutsk. Die zugtickets nach moskau hatten wir uns bereits 4 tage zuvor besorgt, so hatten wir noch gut zeit etwas proviant auf dem markt zu kaufen, denn es erwartete uns die längste zugsfahrt unser ganzen reise. Vor uns lagen 5'191 km, 3 nächte, 5 zeitzonen und viel zeit zu zweit in einem 4er abteil. Der zug war halb leer und wir waren fast ein wenig enttäuscht, allein im abteil zu sein, da wir uns schon auf russische saufgelage eingestellt hatten, aber ehrlich gesagt wars besser so. die beiden russischen wagon begleiterinnen entsprachen nicht dem bilde stämmiger, harschen frauen sondern waren uh nett. Wir lernten markus kennen, der einzige weitere tourist im zug, aus bern! Es war eine schöne gemütliche zeit im Zug mit interessanten gesprächen, lesen und zum fenster raus schauen. Bei den 5 - 20 minuten stops alle paar stunden gingen wir auf dem peron immer auf die suche nach feinen lekereien bei den nicht (mehr) so zahlreichen babuschkas.sie verkauften getränke, brot, gekochte kartoffeln, fleisch, salat, fisch, äpfel, tomaten, guetzli...sicher besser als der speisewagen. Oh ja, da war noch der "zappelphilipp" im nachbarsabteil, der puppertierende russische junge wurde immer "zutraulicher" und sorgte den ganzen tag für unterhaltung...zum glück fuhr er und seine mutter nicht bis nach moskau und stieg am 2. tag aus. So hatten wir auch noch etwas zeit für uns und konnten (mussten) uns langsam mit dem gedanken vertraut machen bald wieder zu hause zu sein... die landschaft besteht hauptsächlich aus nadelwäldern, föhren, lärchen, fichten und birken, vom tauwetter sumpfige wiesen, halb gefrorene seen, vereinzelte schneeflecken und vielen holzhäusdörfchen. Blauer himmel begleitete uns die ganze fahrt mit schönen sonnenauf- und untergänge. Um so näher wir moskau kamen, um so länger wurden die tage, es wurde wärmer, die schlafende natur erwachte, die birken wurden höher und ein leichter hellgrüner schimmer, die ersten blätter, bedeckten die weissen stämme.
Dann....einfahrt in moskau, vorbei die stille (oder besser gesagt, der uns so vertraut gewordene rhytmus...dadamm...dadamm....dadamm... mit dem guten lageplan, der uns galina per email gesandt hatte, fanden wir nach einer kurzen ersten metrofahrt problemlos ihre kleine 3-zimmer wohnung im 5. stock eines wohnblocks fast im zentrum der stadt. Galina vermietet seit mehreren jahren 2 ihrer zimmer an traveller und ist mit 8 $ pro bett wohl die günstigste unterkunft in moskau. Jetzt war uns auch klar warum sie im email darauf hingwiesen hatte, dass sie katzen habe. Es streiften etwa 12 katzen in der wohnung herum, 2 ihrer 4 katzen hatten gerade junge! 4 nächte verbrachten wir in moskau, einer schönen stadt mit imposanten plätzen und gebäuden. Der bekannteste ist natürlich der rote, er liegt vor dem kremel, der grössten turisten attraktion und immer noch regierunssitz des präsidenten. Da gerade osterfeiertage waren, füllten hunderte von menschen den platz. Russen, japaner, andere turis und der maharaja von rajastan und co... Ein sozialarbeiter, welcher geld fuer jugendliche sammelte, erzählte uns, dass leider der alkohol ein riesenproblem sei und für die jugendlichen oft der einzige ausweg aus der orientierungslosigkeit und misere ist. Wir beobachteten dies auch auf der strasse, wo man mit einer bierflasche statt einem mineral spaziert und wo man junge frauen schon am morgen früh mit einem bier, statt einem kaffee in der hand auf der parkbank antrifft... Wir besuchten einen original russischen Zirkus, sahen am anderen abend ein ballet im berühmten bolshoi theater (assen aber in den pausen keine kaviar-broetchen!), beochbachtenen und belauschten in einer kirche beim roten platz eine russisch orthodoxe ostermesse mit melachonischen gesängen. Als dann auch jeannette’s zahnlöcher von der guten russischen zahnärztin gestoppft waren, besorgten wir uns die zugtickets für unsere letzte station in russland, nach St. Petersburg.
Der tagzug von moskau fuhr gute 8 stunden in den norden...schönes wetter, wald, wiesen , seen, holzhäuser und die russen im zug, welche schon am morgen ihre ration bier tranken und am nachmittag dahin-schlummerten... Leider hatten wir von st.petersburg keine empfehlung für ein "homestay". So gingen wir halt in das holidayhostel, es hatte zwar sehr nette angestellte, war aber so richtig kalt und unpersönlich eingerichtet. Die einwohner st.petersburg’s sind anderst als in moskau, viele "nordische" gesichter und "europäischer" gekleidet, obwohl hier die "spitzschuhe" bei den frauen auch in mode sind! Die metro ist ein rubel teurer dafür auch tiefer...auf der rolltreppe geht’s erstmal gute 3 minuten in die tiefe, wobei das interessante daran ist, die leute welche entgegenkommen zu beobachten: sie lesen, trinken, starren, quasseln, küssen, telefonieren...und das alles auf der metrorolltreppe! Am zweiten Tag nachdem wir uns das zugtickets nach vilnius (litauen) besorgt hatten, gingen wir auf sightseeing tour...in st.petersburg wimmelt es nur so von kirchen, kathedralen und palästen. Doch dummerweise hatte es fast überall ein baugerüst davor... (nächstes jahr sei ein grosses fest und überall wird renoviert!) trotztem eine sehr schöne stadt und wir liefen uns fast die füsse platt... Heute war auch der "tag X"...wir schrieben unser "Ankunftsmail", da wir uns entschieden hatten 5 tage später am samstag (vor dem muttertag) zu hause zu sein...ein extem komisches gefühl...wir konnten in der folgenden nacht auch nicht gut schlafen, sondern hatten unser köpfe voller gedanken! Heute dienstag stand das (2 sterne..."best" gemäss reiseführer) "Hermitage" auf der Liste (es kostete ja auch genug, fast 20 franken pro person und ist ja eingentlich nur ein museum) "...nur ein museum...!" es war wahnsinnig! Wir schlenderten 4 stunden von einem raum zum anderen, mit gemälden von weltberühmten künstlern und so prunkvollen räumen, dass die kunstwerke fast zweit rangig erschienen. Wir schafften es in diesen 4 stunden nicht alles anzusehen! Als wir rauskamen waren wir total "geschlaucht" und völlig überwältigt. Wir genossen noch die schöne abendlichtstimmung in den alten gassen von st.petersburg und quasselten mit einem jungen russen, der vom souvenierverkauf vor dem hermitage lebt und mehr verdient als ein polizist, der grad mal 1500 Rubel (75 Fr.) im Monat verdient. So sagte er uns, sei es auch einfach eine "verkaufsbewilligung" von den polizisten zu bekommen. (sie zu schmieren!)

Um 20.30 fuhr der zug nach vilnius. Der bahnhof war wie alles in st.petersburg im umbau und der der staub lag zentimeterdick auf dem perron. Wir hatten "platzcard" (offene Abteil mit je 6 betten) und hatten das abteil für uns alleine, bis spät abend’s doch noch jemand einstieg und uns die ohren voll schnarchte wir noch nie auf der ganzen reise! Schlafen konnten wir da vergessen...Die grenzübergänge waren unkompliziert, wir bekamen nur den ausgangstempel von russland in den pass und für lettland (sind wir durchgefahren) und litauen brauchten wir keine visas.


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Baikalsee



Peron Transib...am Essenkaufen



Roter Platz