November 2003: Iran
Iran
Wo soll ich anfangen? OK, zuerst Mal: die Iraner sind keine Terroristen
und Fanatiker! Nicht etwa überrascht, oder? Ich wurde fast täglich
eingeladen. Viele Iraner träumen davon, in den Westen zu gehen,
vor allem nach Amerika! Alle mit denen ich sprach, und deren waren viele, waren gegen ihre Regierung eingestellt. Ich sah fantastische
Architektur, schöne, grüne, bergige Landschaft im Norden, faszinierende
Wüsten im Süden. Ein beindruckendes Land.
Aber fangen wir von Anfang an:
Die Grenze zum Iran überquerte ich in Esendere, im Südosten der
Türkei. In kürzester Zeit bekam ich meinen Ausgangstempel der Türkei
und kurz darauf den Stempel vom Iran. Als Frau wäre es noch etwas
schneller gegangen, da sie in einem separaten Schalter den
Eingangsstempel bekamen und nicht wie die vielen Männer um den Platz in der Warteschlange rangen mussten.
Im selben Bus ging’s nach der Grenze weiter Richtung Orumiye, meiner
ersten Stadt im Iran. Noch im Bus wurde ich das erste Mal eingeladen.
Ich musste Abbad, meinem Sitznachbarn, versprechen bei ihm
vorbeizuschauen wenn ich in seiner Stadt bin. Er konnte etwas Englisch
und so lehrte er mir Farsi und ich ihm Englisch. Es war eine schöne Fahrt.
Bevor ich mir etwas die Stadt anschaute, plauderte ich noch etwas mit
der Rezeptionistin, die so ihr Englisch wieder mal auffrischen konnte. Ich
war überrascht wie viele Frauen auf der Strasse waren, ich würde sagen
in der Mehrheit schlenderten sie im Bazaar von Shop zu Shop. Halt
natürlich alle mit Kopftuch, das ist Gesetz. Aber viele ohne den Chador,
einem schwarzen Tuch das den ganzen Körper bedeckt, ausser Gesicht,
Hände und Füsse.
Tags drauf fuhr ich weiter nach Tabriz über den Orumiye See. Ich war
keine 5 min. beim Bus und Taxi Terminal, sass ich mit 4 Iranern plus
Fahrer in einem uralten türkisfarbenen Chevrolet. (Shared Taxi's sind
sehr beliebt im Iran, zu dritt hinten und zu zweit auf dem
Beifahrersitz) Glücklicherweise genau vor der Fähre über den See,
wollte die Kupplung unseres Auto nicht mehr mitmachen. So gingen wir zu
Fuss aufs Schiff und der Fahrer mit seinem mörderischen Fahrstil und
sein Auto blieben zurück! So stiegen meine Chance ganz erheblich die
erste Fahrt im Iran zu überleben! Der See war fantastisch, glasklar und
wegen dem extrem hohen Salzgehalt an den Ufern übersäht mit funkelnden Salzkristallen. Auf der anderen Seite fanden wir sogleich ein anderes Auto, mit gutem Fahrer. Und 1 Stunde später, nach 2 Polizeikontrollen und dem um Zentimeter "verpasstem", auf unserer Strassenseite uns entgegenkommenden Fahrzeug, erreichten wir Tabriz!

Das Gefährlichste im Iran sind wirklich mit Abstand die Strassen. Auch als Fussgänger ist es wahnsinnig. Es hat zwar Lichtsignale, doch ist es bei Grün nur "leicht" weniger schwierig, als bei Rot um die Strasse zu überqueren!
Tabriz ist eine grosse, nicht sonderlich schöne Stadt, mit viel Verkehr.
Doch der grosse alte Bazaar, wo schon Marco Polo anscheinend einkaufen war, ist faszinierend. Zuerst schlenderte ich zwar etwas lustlos (ich vermisste Jeannette) durch den Bazaar, doch dann wurde ich in einem uralten Tee und Wasserpfeifen Shop zum Tee eingeladen und verbrachte den Rest des Tages mit plaudern. Tags drauf brachte er mich dann sogar zum Busterminal und drückte mir noch einen riesigen Sack voller Pistazien in die Hand.
Ich fuhr Richtung Norden in ein kleines Dorf in den Bergen nahe des
Kaspischen Meeres. Nach einer Nacht in Ardabil und gemütlichen
Busfahrten (Die Busfahrer fahren im Gegensatz zu den Taxis sehr
anständig) erreichte ich das fantastische kleine Bergdorf Masule.
Ich fand eine private Unterkunft mitten im kleinen idyllischen Dorf. Das
spezielle an diesem Ort ist, dass die Häuser so nah übereinander am
Hang gebaut sind, dass die Dächer der einen gleich der Vorplatz und
Wege der Häuser darüber sind. Auch herrscht unter den Einheimischen,
trotz der vielen, hauptsächlich iranischen Touristen, eine sehr gute
Athmosphäre. Etwas ganz spezielles konnte ich täglich mehrmals
beobachten. Die Menschen spazieren auf den Hausdächern von einem Ende zum anderen, hin und her, immer ganz gemütlich diskutierend.  Eine schöne Art zu Reden!

Ich verbrachte 3 Tage dort, traf die ersten anderen
Travellers, trank Tee, wanderte etwas durch die schönen
Gebirgsumgebung, machte Yoga. Tat mir so richtig gut.
Auf dem Weg nach Teheran machte ich wie versprochen halt in Ghazvin um Abbad zu besuchen.
Ich verbrachte eine Nacht mit seiner Familie und der seines Onkels. Es war uh nett, leider sprach Abbad wirklich nur wenig Englisch, aber wir
hatten doch einen guten Abend. Die kleinen Kinder waren herzig. Mit denen konnte ich mich gut ohne Englisch oder Farsi Kenntnisse unterhalten.
Tags drauf zeigte er mir noch die ganze Stadt, lud mich zum Essen ein
und brachte mich dann zum Busterminal. Ich konnte ihn nicht davon
abbringen, dass er mir auch noch das Busticket nach Teheran zahlte und
dann nach dem Abschiedsküssen wartete er noch bis der Bus abfuhr.
Wunderschön diese Gastfreundschaft.
Weiter geht’s mit Teheran und dem Süden...später.

 

Bericht Iran 19. Oktober bis 11. November

Teheran! Eine riesige Stadt mit vielen Autos. Der erste Eindruck. Doch
blieb ich ein paar Tage hier, schlemmerte am Buffet eines Mehrsterne-
Hotels mehrmals für 4 Franken und sass im Cafe Naderi mit den reichen
jungen Teheraner-/innen. Die Frauen, das Kopftuch mehr als Modeassesoir tragend als wirklich die Haare zu verdecken und die Männer richtig trendig, natürlich alle mit Handy! 

Im Norden der Stadt, sie reicht bis an den Fuss der Berge, sass ich in einem der vielen gemütlichen Teehäusern entlang des Bergbaches und beobachtete junge Paare am flirten. Dann der alte Schuhmacher vor dem Museum, der jeden Nachmittag seit 30 Jahren mit Touristen Deutsch lernt (mit längerer Pause, da nach der Revolution von Khomeini, keine Touristen kamen) und fast perfekt spricht. Und all die anderen Einheimischen die ich kennen lernte, machten für mich die 3 Tage hier schön. 

Mit einem modernen Bus fuhr ich südlich nach Esfahan. Dort im Hotel angekommen, erschrak ich fast, alles voller Traveller. Doch genoss ich es und redete fast nonstop den ersten Tag. Es waren nicht weniger als 4 Fahrradpaare da. Drei Schweizer und ein Deutsches, welche alle überland von Europa kamen!  Später ging ich dann die Stadt entdecken, vor allem der grosse Platz umgeben von faszinierenden blau glänzenden Moscheen und der alte Bazaar. Dort im Bazaar lernte ich Masoud und Hosein im Besteckladen kennen. Wir verbrachten dann die nächsten 2 Tage zusammen. Am Abend am Wasserpfeife rauchen (der Ramadan hat begonnen und tagsüber waren leider alle Teehäuser und die meisten Restaurant geschlossen), Billiard spielen, am Essen bei ihnen zu Hause. Es war grad Wochenende (Freitag) und da ging ich mit ihnen in einer grossen Halle fussballspielen.
Richtig gutes Niveau mit mehren Mannschaften. Wir gehörten zwar nicht
zu den Besten (lag aber nicht nur an mir), doch war es ein super
Erlebnis und zeigte mir einmal mehr wie ähnlich wir doch auf der ganzen
Welt sind. Nach herzlichem Abschied fuhr ich wieder einige Stunden
weiter südlich durch Wüstenlandschaft in die nächste grosse Oase nach
Shiraz. Das Highlight dort sind die mehr als 2000 Jahre alten Ruinen von
Persepolis welche einige Kilometer entfernt sind. Es ist zwar ein
beeindruckender Ort, doch da ich ohne Führer durch die Ruinen lief und
"nur" die vielen Erklärungstafeln las, blieb das ganze für mich sehr
leblos. Da gefiel mir die Altstadt von Shiraz mit dem Bazaar doch
besser, da lebt es, da ist das heutige Leben im gang. Auch in Shiraz
hatte ich wieder schöne Begegnungen mit Einheimischen, wie überall.


Zuerst durch karge gebirgige Landschaft, später durch endlos scheinende topfebene Wüste, ich konnte mir die Erdkrümmung vorstellen, verlief die Strasse nach Yazd. Diese Stadt gefiel mir sehr gut, da kann man noch eine grosse lebendige Altstadt aus Lehmhäusern entdecken. Das Beste war der Morgen, welche ich mit der grossen Architekten -
Studentengruppe von Shiraz verbrachte. So kam ich in viele traditionelle
Häuser rein, genoss auf Dächern eine schöne Aussicht und konnte
vor allem 4 Stunden lang mit Studenten über das Leben im Iran und Europa plaudern (sogar mal mit Frauen).
Um die lange Fahrt Richtung Osten nach Bam zu unterteilen, nahm ich
erstmals einen Nachtzug nach Kerman (fuhr um 3 Uhr Morgens ab!) und dann einen Bus weiter nach Bam. Das heisst, das war mein Plan. Auf dem Weg vom Bahnhof in Kerman zur Bushaltestelle lernte ich Mohsen kennen. Er war grad unterwegs zu seiner englisch Klasse! Kurze Zeit später sass ich in einem Raum eines Englischinstitutes und wurde von den ca. zehn männlichen Studenten über alles mögliche ausgefragt. (Religion, Sport, Lebensphilosophie, Sex...) Was für ein Erlebnis. Ich wurde dann vom Lehrer, Morteza, zum Mittagessen eingeladen. Und zusammen mit Mohsen, überzeugten sie mich dann, dass ich doch (mindestens) eine Nacht bei Ihnen übernachten soll! Ich "willigte" ein und erlebte so eine der erinnerungsvollsten Zeiten im Iran. Ich verstand mich sehr gut mit ihnen. Wir schauten uns die Stadt an, lachten viel, rauchten
Wasserpfeife bei traditioneller Musik und spielten bis spät in die
Nacht mit Morteza's Vater Backgammon. (ich hatte keine Chance) Tags
drauf entschloss ich mich dann doch weiterzureisen und erreichte dann
(24 Stunden später als geplant) Bam.
Die vier Franzosen, welche ich noch in Yazd kennen lernte und denen ich
versprach am Tag zuvor ein Zimmer zu reservieren, sassen schon im
gemütlichen Palmengarten des Guesthauses als ich ankam!
Bam selber ist eine kleine freundliche Wüstenstadt, aber nichts
Besonderes. Doch steht da die riesige alte "Arg-e Bam". Eine riesige
alte Festungsstadt aus Lehmbauten, heute zwar doch auch nur noch ein
Museum, doch so gut erhalten, dass man sich das alte Leben hier noch
richtig gut vorstellen kann. Zuoberst (vom ehemaligen Schloss der
Könige) hat man eine fantastische Sicht über die Stadt und die Wüste.
Der Sonnenuntergang hier ist ein Erlebnis für sich ...
Ich näherte mich der Grenze zu Pakistan. Durch die Wüste fuhr ich, zum
Abschluss wieder mal zu fünft in einem Taxi, da heute Morgen der Bus um
06.30 nicht fuhr, in 4 Stunden nach Zahedan. Nochmals eine Stunde weiter in einem Taxi, geteilt mit zwei Japanern, (für 4 Franken pro Person!) und ich erreichte die Grenze. Nichts mehr als ein paar Häuser und ein Zaun in der Wüste. Bevor es mir richtig bewusst war, hatte ich bereits den Ausgangsstempel von Iran und stand im Zollhäuschen von Pakistan wo ich Eric und Marine (ein Paar von Paris) ,mit den Zollbeamten plaudernd, antraf.

 

 

 

 

 

 

 

 

 











Marine und Daniel auf den Dächern in Bam...